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Märchen von Lügde
Zeichnung A.Tödtmann B. Pyrmont
Das verwünschte Kirchlein bei Lügde Quelle: Sagenbuch des Preussischen Staats, Band 1 Von Johann Georg Theodor Grässe 1886

Der Kirchberg bei Lügde ist nächst der Hermannsburg bei Pyrmont die ansehnlichste Höhe im ganzen Thale. Jetzt ist der Berg mit Fruchtgärten und Getreidefeldern bedeckt, aber vor Berge keine einzige baumfreie Stelle. Mitten aber im Walde wohnte der sogenannte Bergförster ein noch junger stattlicher Mann, der aber in der ganzen Gegend als wohlhabend bekannt war. Gleichwohl hatte er kein Glück bei den Frauenzimmern, es war ihm noch nicht gelungen für sein Haus eine fleißige Wirtin zu finden. Wo er hinkam fand er die Mädchen bereits mit Liebhabern versehen und sein Reichtum vermochte keine zu locken. Namentlich hatte er sein Auge auf ein frisches munteres Bauerndirnlein Elsbeth genannt, die unten im Thale wohnte geworfen aber diese wollte ebenso wenig von seinen Liebesanträgen etwas wissen, als alle die andern Mädchen im Dorfe und wenn er am Abend den Berghang hinab nach ihrem Hüttchen schlich da fand er Türe und Läden für sich verschlossen und am andern Tage mußte er hören, daß der oder jener Bauernbursche unterdessen bei dem Mädchen gewesen war. Gleichwohl nahm deshalb seine Neigung zu der schönen Elsbeth mehr zu als ab und das Verlangen sie zu besitzen ließ ihm weder Tag noch Nacht Ruhe. Da fiel ihm ein er wolle seine Zuflucht zu einer klugen Frau nehmen, die in der Schlucht wo es heute zur Hölle heißt wohnte und von der die Leute sagten sie wisse mehr wie andere Leute und verstehe Liebestränke zu brauen und Mancher habe sich schon bei ihr Rath und Hilse geholt. Und wie sehr es ihn auch eigentlich vor der Alten graute er faßte sich Muth und stieg hinab zu ihr. Er fand die Alte am Spinnrocken in ihrer Hütte sitzen sie rief ihm zu Jch weiß schon was Jhr wollt wäret Jhr eher gekommen so könntet ihr schon lange in der schönen Elsbeth Armen ruhen. Jch will Euch auch recht gern helfen denn ich kenne alle die Kräuter und Wurzeln die man zu einem Zauber tränklein braucht. Aber eins müßt ihr selber herbeischaffen und das ist es was dasselbe am Meisten kräftigt. Zehn Tropfen geweihten Weins wie der Priester ihn bewahrt am Altare muß ich haben, wenn meine Arbeit etwas nützen soll. Kommt ihr, wenn wieder der Vollmond glänzt und bringt ihr mir den Wein den ihr selbst aus der Kirche holtet, so ist in wenigen Tagen das Mädchen Euer. Nur hütet Euch daß ihr Euch mit dem Kelche in der Hand etwa umschaut, denn da wäre es um Euch geschehen. Damit schob sie ihn zu ihrer Hütte hinaus
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